Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, Jg. 12, H. 2, 2012.
Die Beiträge des Bandes widmen sich dem Thema Störung aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen. Dabei rücken nicht nur Formen von Störungen ins Blickfeld, die sich im Computerspiel als Oberflächeneffekte zeigen – sei es durch fehlerhaftes Rendering, Mapping oder generell durch Bildartefakte –, sondern gerade auch jene Widerständigkeiten im Umgang mit Medien, die auf der Seite der Nutzer liegen.
Die beständige wechselseitige Durchbrechung und Verkopplung oder aber gegenseitige Ausblendug und Auslöschung der Ebenen von aisthesis und semiosis erfordert in der Folge eine Phänographie von Störungen, Fehlern und Defekten des Computerspiels, die auf der Seite der Spieler regelrechten Szenarien des Irrtums, der Unterbrechung und des Lapsus gegenüberstehen, die sich letztendlich in Gesten des Stockens vor der medialen Apparatur artikulieren.
Dort, wo im medialen Vollzug Handlungspläne durchkreuzt und Wahrnehmungsgewohnheiten auf die Probe gestellt werden, sind Formen des Wissens über Störungen notwendig, die kulturell tief verankert sind. Gerade diese epistemische Dimension soll über die medieanalytische Darstellung von Störungen des Computerspiels hinaus rekonstruiert und in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ein internationales und interdisziplinäres Forschernetzwerk zum Thema „Hör-Wissen im Wandel. Zur Wissensgeschichte des Hörens in der Moderne“ bewilligt, das am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin koordiniert wird. Dem Netzwerk gehören insgesamt fünfzehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und den USA an, darunter unser Mitarbeiter Axel Volmar.
Lesen Sie Rezensionen im titelmagazin, bei epd Film, in der Neuen Osnabrücker Zeitung oder bei Zuckerkick.
THE WIRE gehört zum neuen, von der Kritik hochgelobten Quality-TV und gilt vielen Kommentatoren als die »greatest TV-show ever made«. Die FAZ feierte die von 2002 bis 2008 ausgestrahlte Serie mit einem ziemlich kühnen Vergleich als einen »Balzac für unsere Zeit«: »Im urbanen Mikrokosmos Baltimore entsteht ein hochdifferenziertes Bild der sozialen Wirklichkeit Amerikas.« Es geht um die soziale Verelendung der vom Kapital verlassenen amerikanischen Großstädte, die daraus erwachsende Schattenwirtschaft der Drogenkriminalität und ihre Folgeprobleme, die Hilflosigkeit und Korruption von Politik und Polizei, den virulenten Rassismus und einiges mehr.
Ein Aspekt von THE WIRE ist bislang indes kaum thematisiert worden: die ständige Auseinandersetzung, ja der Kampf zwischen organisierter Kriminalität und Polizei um die Medientechnologien. Schon der Titel der Serie ist bezeichnend: »wire« (dt: Draht, Kabel, Leitung) verweist auf das Telefon, andere elektronische Kommunikationsmittel und Abhörgeräte. Die kleine Studie zeigt, dass THE WIRE einen zentralen Punkt der heutigen Gesellschaft trifft – ihr Selbstverständnis ist durch und durch von Medien abhängig und von Medien geprägt. Doch wer hat Zugriff auf die Medien? Wer darf welches Wissen über wen erlangen? Mediatisierung ist immer auch ein Kampf – den THE WIRE exemplarisch inszeniert.
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